Behind the Scenes Interview: Stadt als Ermöglicher

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Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut bieten wir einen Blick hinter die Kulissen der gemeinsamen Klimaschutzarbeit für die Städte Aachen, Bonn und Köln. Lesen Sie hier unsere weiteren Interviews zu den Beiträgen der Berliner Energietagen.

Unter dem Titel „Stadt als Ermöglicher“ berichtet Ulrich Jansen von seinen Erfahrungen zum Zusammenspiel der Stadtverwaltung mit der lokalen Bevölkerung und betont die Verantwortung einer Kommune ihren Bürger*innen klimafreundliche Mobilität zu ermöglichen.

Er ist seit 2007 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wuppertal Institut im Forschungsbereich Mobilität und Verkehrspolitik tätig. Dort arbeitet er hauptsächlich zu nachhaltiger Mobilität in Kommunen und Regionen. Daraus entstand die langjährige Zusammenarbeit mit Gertec im Rahmen der Klimaschutzkonzepte und schließlich auch der Klimaneutralitätsstrategien.

In den Klimaschutzkonzepten mussten wir häufig feststellen, dass Ziele für eine Minderung der Treibhausgasemissionen im Bereich der Mobilität gesetzt wurden, allerdings nicht die Bereitschaft bestand, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Ziele tatsächlich zu erreichen. Das Ambitionsniveau der Maßnahmen war also nicht mit dem Ziel kompatibel. Gerade in der Mobilität müssen jedoch weitreichende Maßnahmen ergriffen werden, da ein klimaneutrales Mobilitätssystem sich fundamental von dem aktuellen System unterscheidet. Schlussendlich kann eine Kommune nicht durch eine Zielsetzung klimafreundliche Mobilität verordnen, sondern sie muss auch die nötigen Schritte gehen, um ihre Bürger*innen in die Lage zu versetzen, sich klimafreundlich zu bewegen.

Was in Bonn die Situation herausfordernd macht, ist, dass die Stadt einen großen Einzugsbereich hat. Das heißt, wir haben viele Einpendler*innen, die mit ihrer Verkehrsmittelwahl auch Teil der Mobilität in Bonn sind. Das trifft auf viele größere Städte zu, auf Bonn aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur jedoch in besonders hohem Maß. Die Verkehrsmittelwahl von Einpendler*innen zu beeinflussen ist für eine Stadt eine große Herausforderung. Denn es ist schwer, Einfluss auf die Rahmenbedingungen an deren Wohnort zu nehmen. Und dort fällt ja in der Regel die Entscheidung, welches Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit genutzt wird. Innerhalb der Stadt Bonn sind die Bedingungen für klimafreundliche Mobilität allerdings schon gut.

In Bonn war es so, dass parallel zur Strategieentwicklung ein aus der Bürgerschaft entstandener, sehr gut geplanter und umgesetzter Partizipationsprozess zum klimaneutralen Bonn lief. Hier konnten die Bürger*innen sich zu verschiedenen Themen, wie auch der Mobilität, einbringen. Diese Einblicke in die Lebensrealität der Menschen, die sich vor Ort bestens auskennen, waren sehr wichtig für uns. Daher haben wir großen Wert darauf gelegt, dass diese Prozesse miteinander verwoben werden und das wir an einem Strang ziehen. Insofern haben wir den Prozess der Bürgerschaft unterstützt, indem wir an Veranstaltungen mitgewirkt haben, und haben die daraus entstandenen Ideen in unsere Arbeit einbezogen. Dadurch ist die Abstimmung der Prozesse sehr gut gelungen.

Mir ist nochmal sehr deutlich geworden, dass die Politik einer Kommune hinter ihren Zielen stehen muss und ihren Mitarbeiter*innen in der Planung die nötige Rückendeckung geben muss, neue Konzepte auszuprobieren und auch einmal um die Ecke denken zu können. Zusätzlich muss der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben werden, ihr wertvolles Wissen in den Prozess einzubringen. Und es muss auch die Bereitschaft dazu in der Bevölkerung bestehen. Das geht nur, wenn die Bürger*innen sich wertgeschätzt und mitgenommen fühlen. Bonn war da ein sehr positives Beispiel und ich denke, dass das auch der Schlüssel in anderen Kommunen ist.

In Bonn waren wir in der Situation, dass das bürgerschaftliche Engagement bereits sehr stark vorhanden war. Wenn das in anderen Kommunen nicht der Fall ist, ist es die Aufgabe der Kommune einen solchen Beteiligungsprozess anzustoßen. Teil der Entwicklung einer Klimaneutralitätsstrategie muss immer auch eine Beteiligung in den unterschiedlichsten Formaten sein. Das heißt, die Kommune muss die Formate und Plattformen zur Verfügung stellen, bei denen die Bürger*innen sich einbringen können. Das sind sicherlich die Veranstaltungen in der Stadt, aber das ist auch die Öffentlichkeitsarbeit und Online-Plattformen. Natürlich kann eine Kommune engagierte Gruppen in der Bevölkerung nicht schaffen. Sie ist sicherlich immer davon abhängig, wie aktiv die Bürgerschaft vor Ort ist. Daher muss sie ihre Bürger*innen kennen und auf ihre Besonderheiten eingehen, wenn sie die Menschen zum Mitmachen animieren will.

Da möchte ich gerne auf meine These verweisen. Die Kommune kann dieses Verhalten nicht verordnen. Sie muss den Menschen das an die Hand geben, das sie brauchen, um sich klimafreundlich zu bewegen. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen ohne Auto mobil sein können und sicherlich auch, dass sie es gerne tun. Ich muss also als Kommune in diese Richtung ein attraktives Angebot schaffen; ich muss auch ganz klar dem Auto auf die Füße treten. Das bedeutet unter anderem, dem Auto Raum wegzunehmen, den ich für andere Verkehrsmittel benötige. Das muss der Kommune klar sein, wenn es ihr mit der Zielerreichung ernst ist. Sie muss im Grunde die Privilegien des Autos abbauen, natürlich parallel zur Verbesserung der Alternativen.

Eine Kommune muss sich darüber im Klaren sein, was sie beeinflussen kann und was nicht in ihrem Handlungsspielraum liegt. Somit kann sie sich auf die Maßnahmen konzentrieren, die tatsächlich vor Ort eine Wirkung entfalten. Die Maßnahmen sind ja grundsätzlich bekannt. Ich würde sagen, das wirksamste Instrument, das eine Kommune anwenden kann, ist den Radverkehr zu fördern. Und wir wissen, wie Radverkehrsinfrastruktur gestaltet werden muss, damit sie angenommen wird. Es gibt auch Städte in Deutschland, die das bereits intensiv gemacht haben und sich auch entsprechend vermarkten; Münster ist da natürlich das Paradebeispiel. Gute Beispiele aus anderen Städten können ja eine Motivation sein, gute Bedingungen für das Fahrrad als ein Marketinginstrument einzusetzen. Mehr Raum für das mobil sein ohne Auto bedeutet in einer Stadt ja auch ein mehr an Lebensqualität. Neben dem Klimaschutzaspekt kann auch dies ein sehr wirksames Argument sein, um die Umsetzung der Maßnahmen voranzubringen. In diesem Zusammenhang spielen positive Zukunftsbilder eine entscheidende Rolle, um die erheblichen positiven Auswirkungen klimafreundlicher Mobilität auf das Stadtbild zu verdeutlichen. Das war tatsächlich auch einer der zentralen Inputs von uns für die Bürgerforen, die in Bonn veranstaltet wurden.

Der Schlüssel ist, die Bedingungen für die Alternativen zum Auto so attraktiv zu machen, dass die Bürgerinnen und Bürger im Laufe der Zeit aus Überzeugung zu klimafreundlichen Mobilitätsformen wechseln, weil sie schlicht und ergreifend die beste Wahl sind. Wenn klimafreundliche Mobilität so eine Selbstverständlichkeit werden kann, wie es heute das Auto ist, dann hat eine Kommune für die Verkehre, die sie beeinflussen kann, schon sehr viel erreicht.

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