Sustainability Transformation Monitor 2025

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Warum ist das wichtig?  

Die Anforderungen an Unternehmen im Zuge der sozial-ökologischen Transformation nehmen spürbar zu. Der Sustainability Transformation Monitor 2025 (STM25) [1] liefert ein umfassendes Bild über den aktuellen Stand dieser Entwicklung in der deutschen Wirtschaft und beleuchtet dabei sowohl Fortschritte als auch zentrale Herausforderungen. Ziel der von der Bertelsmann Stiftung initiierten Studie ist es, die treibenden Kräfte ebenso zu identifizieren wie die Hindernisse, die nachhaltige Veränderungen in Strukturen, Geschäftsmodellen und Prozessen beeinflussen. Rund 600 Nachhaltigkeitsverantwortliche aus Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft wurden dafür im Rahmen einer Längsschnittanalyse befragt [2, 12]. 

Was ändert sich? 

Der Monitor zeigt, dass Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen fest in der Strategie verankert ist: 74 Prozent verfolgen bereits eine klare Ausrichtung in diesem Bereich, bei 72 Prozent ist das Thema sogar auf Vorstandsebene angesiedelt. Die Erfassung des CO₂-Fußabdrucks ist mittlerweile weit verbreitet – 91 Prozent der Unternehmen haben diesen zumindest teilweise ermittelt. Auch bei den komplexeren Scope-3-Emissionen, die entlang der gesamten Lieferkette anfallen, setzt ein zunehmendes Bewusstsein ein [6]. 

Doch zwischen Strategie und Umsetzung klafft nach wie vor eine Lücke. Nur 13 Prozent der geplanten Klimaziele wurden bisher vollständig erreicht. Gleichzeitig haben zehn Prozent ihre Zielsetzungen ganz aufgegeben. Gründe dafür sind unter anderem fehlende finanzielle und personelle Ressourcen, unzureichende Daten sowie der hohe Aufwand für neue Berichtspflichten – deren Nutzen viele Unternehmen kritisch hinterfragen [2]. 

Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Begrifflichkeiten rund um Nachhaltigkeit, CSR (Corporate Social Responsibility), ESG und Impact in der öffentlichen Diskussion oft unscharf verwendet werden (siehe hierzu auch unseren Artikel zu CRS in Unternehmen). Diese Unklarheiten führen zu Missverständnissen und Verunsicherung bei Informationssuchenden – sowohl innerhalb als auch außerhalb von Unternehmen. Ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammend, entwickelte sich der Begriff Nachhaltigkeit über das Drei-Säulen-Modell (Ökologie, Ökonomie, Soziales) zu einem umfassenden Konzept unternehmerischer Verantwortung. Während Nachhaltigkeit heute den idealisierten Zustand eines Gleichgewichts beschreibt, steht die nachhaltige Entwicklung für die Handlungsweise auf dem Weg dorthin [8,9]. 

In Unternehmen wird Nachhaltigkeit oft im Kontext gesellschaftlicher Verantwortung diskutiert – als Corporate Social Responsibility. Dabei geht es um weit mehr als Umweltaspekte: Auch faire Arbeitsbedingungen, Transparenz in der Lieferkette und soziale Gerechtigkeit gehören zu den zentralen Themen nachhaltigen Wirtschaftens. In diesem Zusammenhang können ökologische und soziale Ziele mit ökonomischem Erfolg Hand in Hand gehen [4]. 

Ein zentraler Hebel: Die CSRD 

Ein besonders signifikanter Hebel zur Schließung dieser Lücke ist die neue Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die seit Anfang 2024 schrittweise gilt und die bisherige EU-Berichtspflicht deutlich erweitert. Mit ihr zieht ein neues Verständnis von Wesentlichkeit in die Unternehmensberichterstattung ein: die sogenannte doppelte Wesentlichkeit. Unternehmen müssen sowohl bewerten, wie sich ihre Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt („Inside-Out“), als auch, wie Nachhaltigkeitsthemen die wirtschaftliche Lage des Unternehmens beeinflussen („Outside-In“). Ein Thema wird bereits dann berichtspflichtig, wenn es in nur einer dieser Perspektiven als wesentlich gilt [7,8]. 

Ein weiterer zentraler Aspekt der CSRD ist die Einführung der European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die europaweit einheitlichen Kriterien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung festlegen. Sie sollen Transparenz und Vergleichbarkeit schaffen – aber erhöhen zugleich den Aufwand für Datenmanagement und interne Abstimmung erheblich. Die Umsetzung stellt viele Unternehmen vor operative und technische Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit und Qualität von ESG-Daten (Environmental, Social, Governance). 

Die Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Deutschland wurde durch die sogenannte Omnibus-Verordnung erheblich beeinflusst. Diese Verordnung zielt darauf ab, die bestehenden ESG-Berichtspflichten zu vereinfachen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu stärken. Im Zuge dessen wurden die Anforderungen für viele Unternehmen angepasst und teilweise verschoben. Wesentliche Änderungen wären somit: 

  • Die Reduzierung der berichtspflichtigen Unternehmen: Zukünftig sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden sowie einem Umsatz von über 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von über 25 Millionen Euro verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Dies reduziert die Anzahl der betroffenen Unternehmen erheblich. ​ 
  • Die Verschiebung der Berichtspflichten: Für Unternehmen, die ursprünglich ab 2026 oder 2027 zur Berichterstattung verpflichtet gewesen wären, wurde die Berichtspflicht auf 2028 verschoben. Dies gibt den Unternehmen mehr Zeit zur Vorbereitung.  
  • Die Vereinfachung der Berichtsinhalte: Die Anzahl der zu berichtenden Datenpunkte soll reduziert und die Komplexität der Anforderungen verringert werden. ​ 

Diese Anpassungen machen sich auch in Deutschland bemerkbar, so wurde die CSRD-Umsetzung bereits im Juli 2024 erwartet. Jedoch führten die Anpassungen durch die Omnibus-Verordnung zu einer Verzögerung. Aktuell wird mit einer schrittweisen Einführung der Berichtspflichten ab dem Geschäftsjahr 2025 gerechnet. Bis 2028 sollen insgesamt rund 13.000 deutsche Unternehmen betroffen sein ​[3, 10]. 

Doch bieten die Anpassungen den Unternehmen die Möglichkeit, sich besser auf die neuen Anforderungen vorzubereiten und gleichzeitig die bürokratische Belastung zu verringern. Dennoch bleibt die Notwendigkeit bestehen, sich intensiv mit den neuen Berichtspflichten auseinanderzusetzen, um den Anforderungen gerecht zu werden und die Chancen der nachhaltigen Transformation zu nutzen, denn obwohl Nachhaltigkeit strategisch hoch angesiedelt ist, verliert sie jedoch in einem entscheidenden Bereich an Bedeutung: bei Finanzierungsentscheidungen. Für fast die Hälfte der befragten Unternehmen spielt sie dort eine untergeordnete Rolle. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil derer, die Nachhaltigkeit als wichtig oder sehr wichtig für Finanzierungen einstufen, um über 15 Prozentpunkte gesunken. Dieses Ergebnis deutet auf eine wachsende Diskrepanz zwischen strategischen Ambitionen und realwirtschaftlicher Investitionspraxis hin [2].

Gleichzeitig kommt dem Finanzsektor eine Schlüsselrolle in der Transformation zu. Banken und Investoren können durch gezielte Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle den Wandel aktiv mitgestalten. Dafür müssen Unternehmen die Wirkungen ihrer Geschäftstätigkeit systematisch messen – ein Ansatz, der unter dem Begriff Impact Measurement & Valuation zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch auch hier braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. 

Neben dem Finanzsektor sind auch politische Unsicherheiten stark von Bedeutung. Sie wirken dabei zunehmend als Bremse. Fast drei Viertel der Unternehmen in der Realwirtschaft und knapp 80 Prozent in der Finanzbranche sehen instabile Rahmenbedingungen als ernstzunehmendes Hindernis. Die Unternehmen fordern klare, langfristig verlässliche Leitplanken, um nachhaltige Investitionen planbar zu machen und neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können [2, 12]. 

Neben politischen und wirtschaftlichen Faktoren spielen auch gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle. Die junge Generation – als zukünftige Arbeitskräfte und Konsument*innen – fordert zunehmend glaubwürdiges Engagement in Sachen Umwelt und Soziales. Auch das Top-Management in vielen Unternehmen versteht Nachhaltigkeit inzwischen als entscheidenden Wettbewerbsfaktor [11]. 

Zusammenfassung

Der Sustainability Transformation Monitor 2025 zeigt deutlich: Nachhaltigkeit ist in der Unternehmensstrategie fest verankert, doch es mangelt oft an der konsequenten Umsetzung. Besonders die Lücke zwischen ambitionierten Zielen und realer Wirkung bleibt eine zentrale Herausforderung. Neue regulatorische Rahmenbedingungen wie die CSRD – trotz Verzögerung durch die Omnibus-Verordnung – schaffen zwar mehr Klarheit und Verbindlichkeit, erhöhen aber auch den Umsetzungsdruck. Für eine erfolgreiche Transformation braucht es jetzt verlässliche politische Leitplanken, gezielte finanzielle Anreize sowie ein Umdenken bei Investitionsentscheidungen. Nur wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam handeln, kann Nachhaltigkeit zur tragenden Säule einer zukunftsfähigen Ökonomie werden. 

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