Was ist Gemeinwohl-Ökonomie?

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Warum ist uns das wichtig?  


Hintergrund und Geschichte 

Mitwirkende der globalisierungskritischen NGO Attac entwickeln eine Gemeinwohl-Matrix, nachdem 2008 das Buch „Neue Werte für die Wirtschaft: Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“ von Christian Felber erscheint. Dieser veröffentlicht 2010 ein weiteres Buch „Gemeinwohl-Ökonomie: Das Wirtschaftsmodell der Zukunft“ und gilt als Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie, welche das Ziel verfolgt, wirtschaftliche Aktivitäten auf das Gemeinwohl auszurichten. In 2011 wird der Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie gegründet und darüber hinaus entstehen zahlreiche Regionalgruppen. Die Gemeinwohl-Bilanz etabliert sich als Standard für die Erstellung ethischer Bilanzen im KMU-Bereich, sodass es Ende 2013 bereits mehr als 300 zertifizierte Gemeinwohl-Unternehmen gibt. In 2014 bzw. 2017 werden durch die Veröffentlichung von Richtlinien vermehrt Rechtsrahmen und auch Lehrstühle geschaffen, welche die Verbreitung, Umsetzung und Weiterentwicklung der Vision der Gemeinwohl-Ökonomie kontinuierlich vorantreiben. [1]  

Die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie 

Eine nachhaltigere, gerechtere und ethische Wirtschaft stützt die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie. Nicht die Interessen Einzelner stehen im Vordergrund, sondern es wird darauf geachtet, dass große Teile der Gesellschaftsinteressen nachhaltig berücksichtigt werden. Dies ist durch die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanzierung möglich.  

Welche Bestandteile berücksichtigt eine Gemeinwohl-Bilanzierung?  

Bei einer Gemeinwohl-Bilanzierung stellen Institutionen – dies sind neben Unternehmen auch zunehmend Vereine, Kommunen oder Bildungseinrichtungen – nachhaltige Leistungen und gelebte Werte übersichtlich dar. In der Bilanzierung selbst, welche als sehr umfangreicher Bericht dargestellt wird, werden neben allgemeinen Informationen zur Institution auch die allgemeinen Werte der Menschenwürde, der Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit, der Nachhaltigkeit, der Mitbestimmung und der Transparenz abgebildet. Darüber hinaus sind aber auch Verbesserungspotenziale und Ziele aufgeführt.  

Anhand einer Skala positioniert sich die Institution dann im Bewertungsprozess. Die Bewertung hängt davon ab, wie entwickelt die einzelnen Werte in einer Institution sind. Mithilfe einer Gemeinwohl-Matrix kann die Bepunktung übersichtlich dargestellt werden. Diese führt alle unternehmerischen und gemeinwohlorientierten Aktivitäten auf und macht den Beitrag zum Gemeinwohl bewertbar. Sie besteht aus 20 Themen, die sich aus den fünf unterschiedlichen Berührungsgruppen  

  • Lieferant*innen, 
  • Eigentümer*innen & Finanzpartner*innen, 
  • Mitarbeitende, 
  • Kund*innen & Mitunternehmen und 
  • Gesellschaftliches Umfeld 

sowie den vier unterschiedlichen Werten  

  • Menschenwürde, 
  • Solidarität und Gerechtigkeit, 
  • Ökologische Nachhaltigkeit sowie 
  • Transparenz und Mitentscheidung  

zusammensetzen.  

Alle 20 Themen werden anhand ihrer Auswirkungen auf die Unternehmensaktivitäten hin untersucht und bewertet. Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) werden mittlerweile in die Gemeinwohl-Themen integriert, sodass mindestens jeweils ein SDG in den 20 Themen berücksichtigt wird [3]. 

Überprüfung der Selbstbewertung  

Im Rahmen eines offiziellen externen Audits kontrolliert und bestätigt ein unabhängig Prüfender die Bepunktung. Ebenso wird die Argumentationslinie der Institution begutachtet bzw. es werden stichpunktartig die entsprechenden Argumente überprüft. Am Ende des externen Audits steht ein offizielles Testat mit den erreichten Punkten. Dieses bescheinigt der Institution den Erreichungsgrad der Gemeinwohl-Ökonomie und kann als gültiges Testat bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgelegt werden. Nach Ablauf dieses Datums erfolgt idealerweise die erneute Erstellung einer Gemeinwohl-Ökonomiebilanzierung. 

Was bedeutet dies für die Vergleichbarkeit von Institutionen? 

Anhand der erreichten Bilanzsumme der Gemeinwohl-Matrix können Institutionen in den oben genannten Werten untereinander verglichen werden. Je höher die jeweilige Bilanzsumme von max. 1.000 Punkten, desto nachhaltiger und sozialverträglich agiert eine Institution und setzt sich demnach mehr oder weniger für ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften ein. [2] 

Beispiel für eine Gemeinwohlbilanzierung  

Die Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft hat für die Jahre 2019 und 2020 eine Gemeinwohlbilanz erstellt und an einem externen Audit teilgenommen. Der ausführliche Gemeinwohl-Bericht inkl. Bewertungsmatrix ist unter dem folgenden Link zu finden und gibt Informationen zu ihren Werten: Gertec Bewertung. [4]

Ausblick 

Nach Ablauf des Testats wird sich die Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft erneut mit der Aktualisierung ihrer Gemeinwohl-Ökonomiebilanz beschäftigen. Dies drückt vor allem den Wunsch nach einer kontinuierlichen Verbesserung im Hinblick auf die Berücksichtigung der oben genannten Werte aus.  

Ein Interview mit der aktuellen Geschäftsführerin Heli Kasa sowie dem ehemaligen Geschäftsführer Andreas Hübner gibt weitere Einblicke in die Erstellung einer Gemeinwohl-Ökonomiebilanzierung.  

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